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Die Uli Beyer Methode
Artikel - Raubfische

Die Uli Beyer Methode 

Der erste Blick zu Uli überrascht mich dann doch. Er hat bereits den ersten Wurf gemacht und holt den Slotti jetzt jiggend ein, während ich noch an der geliehenen UBS rumbastele. ub-8265372563.jpg Seine Rutenschläge sehen komplett anders aus als ich sie mir vorgestellt habe. Irgendwie schnell, locker, unbeschwert. Für Florian und mich völlig neu. Bis dato fischten wir nach einem anderen Vorbild, welches wohl einem ganz anderen Prinzip entsprach. Eher mit viel längeren und langsameren Zugbewegungen der Rute. Und so sahen unsere Versuche mit Uli´s Technik bestimmt ziemlich unbeholfen aus. Er beschleunigte die Gummiköder nicht aus Arm und Schulter, sondern aus dem Handgelenk.
Und das mit einer enormen Pace und Exaktheit. Er steht ganz locker mit waagerecht angewinkeltem Arm am Kieselstrand, irgendwo bei Wesel am Rhein,
und reißt die Rute aggressiv und ganz kurz, aber dennoch in einer gewissen Ruhe hoch. Schon beinahe am Ende der vertikalen Bewegung angekommen,
fängt er an Schnur aufzunehmen, um ja keinen Schnurbogen entstehen zu lassen.
Am höchsten Punkt verharrt er nicht, wie bei „unserer“ Technik, sondern führt die Rute Schnur aufnehmend direkt nach unten in die Ausgangsstelle der Rutenbewegung.
In dieser Stellung belässt er die Rute bei maximaler Schnurspannung und wartet,
bis die Schnur erschlafft oder die leicht gespannte Rutenspitze einige Millimeter nach oben schnellt. Das ist dann das Signal zum erneuten „Schlagen“ des Köders, da er auf dem Grund angekommen ist. Allein die Reihenfolge der aufeinander folgenden Schritte machte uns schon einige Schwierigkeiten. Und dann erst das Wahren der Schnurspannung um den Biss zu erkennen…
Bei dem starken Wind fast unmöglich für uns. Dennoch hatten wir den Bogen bald ungefähr raus, und Florian konnte seinen ersten „erschlagenden“ Zander fangen (siehe Bericht: „Mit Uli Beyer auf Zandertour“ bei Angeln.de).
Die Vorteile dieser Methode waren mir anfangs nicht ganz klar, fängt „Zanderkönig Otto“ aus unserem Verein seine vielen Fischen doch alle mit den langsamen,
behäbigen und großen Sprüngen. „Der Zander ist ein fauler Fisch“ sagt Uli Beyer,
„bei vielen kleinen Sprüngen muss er nicht so weite Wege gehen um zum Jagderfolg zu kommen“. Außerdem, so meint er, dass „ein in vielen kleinen Sprüngen geführter Jig“ für den Zander viel besser wahrzunehmen ist als einer, der sich ständig weit über den Köpfen der Fische befindet. Das klingt logisch. Auf einen weiteren Grund der Fängigkeit bin ich erst einige Wochen später gekommen. In einem von Uli geschrieben Artikel las ich über den „Knalleffekt“, welcher oft der fangentscheidende Auslöser sein soll. Uli erklärt den Effekt so: „Ein sterbendes Fischchen macht unter Wasser Geräusche, welche es zu imitieren gilt.
Und diese, für den Räuber zu spürenden Wellen, werden mit den harten, schnellen Schlägen erzeugt.
Dabei entstehen Wellen, die der Zander viel besser wahrnimmt als die,
die von einem `schlaffen` Köderspiel kommen“. Die „Lehrbuchaussage“, Zander lieben ganz langsame Köder, ist laut Uli´s Theorie also nicht ganz wahr.
Es kommt oft auf den „Knall“ an, und bei des Meister´s beeindruckenden Fängen glaubt ihm doch jeder gerne… Ein weiterer Grund der Fängigkeit ist offensichtlich auch die Vielseitigkeit der Methode. Die Sprünge lassen sich auf drei Haupttypen aufteilen:
ganz kleine Sprünge, etwas höhere aggressive Sprüngen und die, die in zwei oder mehr Stufen gefischt wird. Je nach Tagesform der Stachelritter kann nun variiert werden.
Welche wann am erfolgreichsten ist, ist uns leider noch nicht ganz klar.
Um diese harten Schläge auszuüben und immer direkten Kontakt zum Köder und den beißenden Fisch zu haben, muss die Ausrüstung dementsprechend sein.
Geflochtene Schnur ist die Mindestanforderung an eine Twister-Ausrüstung! Eine harte Rute sollte eigentlich auch Standard sein, ist aber für den Anfang an zweiter Stelle zu nennen. Florian und ich fischen mittlerweile beide die UBS und sind absolut zufrieden.
Stefan benutzt ebenfalls eine recht harte Rute im Rückrat, welche aber ein leichteres Wurfgewicht hat (Balzer „Matrix Mega Jig“). Auch die Rolle sollte nicht vom „Kramtisch“ sein. Die Belastungen beim Drill eines Zanders sind zwar nicht all zu hoch, denn die Kräfte wirken eher beim Fischen selber auf die Rolle. Jeder Schlag überträgt sich auf die Rolle und wird so im Laufe eines „Rollenlebens“ extrem hohen Belastungen ausgesetzt.
Sparen ist hier sicherlich fehl am Platz. Zurzeit fischen auch wir drei noch ziemliche „Murks-Rollen“ was sich aber hoffentlich bald ändern wird… Für uns hat sich Uli´s Technik mittlerweile zum Maß aller Dinge gemausert. Die Zahl der Bisse ist in die Höhe geschnellt und auch die Zander spielen jetzt schon mal mit. Weitere Erfahrungsberichte werden folgen und...

Tipps vom Meister:

Hier einige wichtige Erkenntnisse:
- Im Herbst wandern viele Fische aus dem Fluß in die Nebengewässer (Häfen, Baggerseen u.a. Stillwasser) Dann macht es Sinn, dort verstärkt - auch tief - zu fischen
- Die meisten Fische fängt man im Mai/Juni (Schonzeiten beachten), viele große Fische Jan, Feb, März und Oktober, November, Dezember - allerdings gibt´s dann auch mal ´nen Schneider...
- Schmuddelwetter bringt weniger, aber größere Fische
- Sonne ist bei trübem Wasser gut!
- "chartreuse" (glitter und normal) ist häufig sehr gut, manchmal sind die Stachelräuber aber sehr wählerisch
- Bleikopfgewichte variieren: Manchmal fängt superleicht gut, manchmal auch "heavy-klong"
- Köderführung variieren: von laaaangsamst bis kräftig geruckt, aber immer an stets gespannter Schnur absinken lassen. Schnurbögen lassen den Köder schlecht absinken und kosten sehr viele Fische. Auch die Hängerquote steigt kräftig an!
- Gute geflochtene fängt besser
- Gute Stellen sind meistens dort, wo andere nicht bzw. selten hinlaufen / -werfen...

 

 
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